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Mütter wollen arbeiten gehen und Väter finden eine neue Erfüllung

Lange Zeit galt es als normal, dass sich die Frau um die Kinder kümmerte während der Mann arbeitete und das Geld nach Hause brachte.

Doch diese Rollenverteilung passt nicht mehr in das moderne Familienbild: Mütter wollen arbeiten gehen und Väter finden eine neue Erfüllung, wenn auch sie sich um die Kinder kümmern. Mit dem Gesetz zum Elterngeld, das das frühere Erziehungsgeld ersetzt, möchte der Gesetzgeber die Realitäten in modernen Familien anerkennen und den Wünschen der jungen Eltern nach viel Zeit mit der Familie entgegenkommen. Denn es bleibt den Eltern, die Elterngeld beziehen möchten, ausdrücklich freigestellt, wie sie die Sorge um ihre Kinder in den ersten Lebensjahren gestalten wollen. Die Freiheit können Mama und Papa dann für ein glückliches, individuell angepasstes, Familienleben nutzen. Hier haben wir einige Informationen und Tipps rund um das Elterngeld für euch zusammengestellt.

Was ist Elterngeld eigentlich?

Wenn die Eltern eine Auszeit vom Beruf nehmen, um sich um die Kinder zu kümmern, ist das immer mit einem Arbeitsausfall verbunden. Für viele Familien bedeutet das gravierende Einbußen, denn die Zeiten, in denen ein Elternteil für den Familienunterhalt aufkommen konnte, sind bei vielen Familien leider schon längst vorbei. Mit der staatlichen Leistung des Elterngeldes soll dieser Verdienstausfall ausgeglichen werden.

Wie hoch ist das Elterngeld?

Natürlich wollt ihr genau wissen, wie hoch das Elterngeld ist. Eine pauschale Antwort lässt sich auf diese Frage aber leider nicht geben. Denn die genaue Höhe des Elterngeldes hängt sehr stark vom Einzelfall ab. Ein wichtiger Faktor für die Höhe ist das Arbeitseinkommen der letzten 12 Monate vor der Elternzeit. Denn das Elterngeld wird prozentual vom früheren Einkommen berechnet. Je nach Einzelfall beträgt es 65 bis 100 Prozent. Je höher das Einkommen desto geringer wird der Prozentsatz angesetzt. Mindestens werden jedoch 300 EUR ausgezahlt. Doch auch nach oben ist das Elterngeld begrenzt. Der Höchstsatz liegt derzeit bei 1800 EUR. Allerdings können durch Mehrlingszuschlag und Geschwisterbonus tatsächlich höhere Summen zur Auszahlung kommen.

Können auch Selbstständige Elterngeld erhalten?

Ja. Denn auch eine selbstständige Erwerbstätigkeit ist eine Erwerbstätigkeit, die beim Elterngeld berücksichtigt wird. Für die Berechnung des Elterngeldes wird in diesen Fällen der erwirtschaftete Gewinn der letzten zwölf Monate berücksichtigt und als Grundlage für die Bemessung des Elterngeldes verwendet.

Wie lange wird Elterngeld gezahlt?

Das Elterngeld wird maximal für einen Zeitraum von 12 Monaten bezahlt. Allerdings werden hierbei die zwei Monate angerechnet, wenn in diesen Monaten Mutterschaftsgeld bezahlt wurde. Unterm Strich bleiben damit in der Regel 10 Monate echtes Elterngeld übrig. Dieser Zeitraum kann aber wiederum um 2 Monate verlängert werden, wenn sich beide Partner die Elternzeit teilen – und einer von ihnen mindestens zwei Monate lang in Elternzeit geht.

Wie kann der Vater das Elterngeld nutzen?

Zwei Monate nach der Geburt, gibt es Mutterschaftsgeld. Dieses steht nur der Mutter zu, da sie durch die Geburt keine Tätigkeit ausüben kann bzw. sollte. Über die restlichen zwölf Monate können die Eltern jedoch beinahe frei entschieden. So kann die Mutter volle 10 Monate nutzen, aber auch der Vater kann für 2 Monate eine Auszeit nehmen, um sich um die Kinder zu kümmern. Er muss die Monate nicht zusammenhängend nehmen, kann zum Beispiel gleich den ersten Monat nehmen, um der Mutter nach der Geburt behilflich zu sein und den zweiten Monat ans Ende packen, wenn die Mama schon wieder arbeiten geht. Die Eltern können die 12 Monate auch aufteilen, sodass beide ein halbes Jahr daheim bleiben. Das ist euch komplett frei überlassen.

Umgangssprachlich werden die Monate, in denen der Papa daheim bleibt, oft Vätermonate genannt – sie unterscheiden sich rechtlich jedoch nicht von der Elternzeit. Da sich die Bezugsdauer für das Elterngeld um zwei Monate verlängert, wenn jeder Partner mindestens zwei Monate Elternzeit nimmt, ist es oft die beste Lösung, wenn sich auch der Vater mindestens zwei Monate lang in der Elternzeit um die Kinder kümmert.

 

 

Können Vater und Mutter zusammen Elterngeld beziehen?

Ja, das ist möglich. Weil der Gesetzgeber den Familien großen Freiraum bei der Gestaltung einräumt, können Vater und Mutter nacheinander, abwechselnd oder gleichzeitig Elterngeld für insgesamt 14 Monate (abzüglich Mutterschaftsgeld) beantragen. Es ist auch möglich, die Elterngeldzeit zu unterbrechen und nach ein paar Monaten normaler Erwerbstätigkeit wieder aufzunehmen.

Was ist das Elterngeld Plus?

Ergänzend zum zuvor beschriebenen Basiselterngeld wurde vor einigen Jahren das Elterngeld Plus eingeführt. Monatlichen werden bis zu 900 EUR Elterngeld bezahlt. Das ist also nur die Hälfte des gewöhnlichen Höchstsatz des Elterngeldes und so lassen sich die Vorteile auf den ersten Blick nicht erkennen. Tatsächlich aber kann es sich lohnen, denn das Elterngeld Plus wird über einen doppelt so langen Zeitraum gewährt und kann zudem mit Teilzeitarbeit verbunden werden, ohne dass man große Verluste befürchten muss. Staatliche Förderung, Erwerbsarbeit und Zeit mit den eigenen Kindern können auf diese Art und Weise unter einen Hut gebracht werden. Wie auch beim Elterngeld haben die Partner große Freiräume bei der Gestaltung und können so eine Lösung finden, die zu einem modernen und individuell gestalteten Familienbild passt.

Lohnt sich das Elterngeld für Väter?

Wenn ihr mit Papas aus eurem Bekanntenkreis sprecht, dann werdet ihr sehr oft hören: Es lohnt sich auf jeden Fall. Denn viele Väter wissen es zu schätzen, dass sie während der Elternzeit viel mit ihren Kinder zusammen sind und miterleben, wie der kleine Sprössling jeden Tag wächst, lernt und neue Welten entdeckt. Gerade in den ersten Monaten entwickeln sich Kinder so schnell, dass viele Väter die Zeit vermissen, in der sie nicht mit ihren Kindern zusammen sein können. Kaum ein Vater möchte im Nachhinein auf diese einmalige Erfahrung verzichten.

Alles einfach Durchrechnen

Diese positive Erfahrung lässt sich mit Geld nicht aufwiegen. Und doch ist es natürlich nur allzu verständlich, wenn das Geld eben doch in vielen Fällen eine große Rolle spielt. Leider ist festzustellen, dass sich das Elterngeld in finanzielle Hinsicht nicht ganz so positiv darstellt. Denn in den meisten Fällen ist das Elterngeld niedriger als das Einkommen. Jede Familie muss sich daher in der Elternzeit ein wenig einschränken. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Höhe des Elterngeldes an der Höhe des früheren Verdienstes bemisst. Wenn der Mann in der Familie ein höheres Gehalt hatte als die Mama, sind auch die finanziellen Verluste durch das Elterngeld größer. Im Einzelfall sollte man also genau nachrechnen, wie hoch das Elterngeld ist und ob man mit dem verbleibenden Einkommen auskommt. Hierzu empfiehlt sich der Elterngeldrechner des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend oder ein Anruf bei der Elterngeldstelle eures Bundeslandes.

Antrag und Beratung

Das komplexe System bezüglich Basiselterngeld und Elterngeld Plus, hinsichtlich Höhe und Dauer machen eine ausführliche Beratung vor der Antragsstellung fast schon notwendig – denn nur wenn ihr euch ausführlich beraten lasst, wisst ihr, was euch finanziell erwartet. Auf der Grundlage dieser Information könnt ihr dann entscheiden, welche Möglichkeiten für euch am besten sind. Aber keine Angst, ihr müsst nicht schon in der Schwangerschaft wissen, ob ihr nach einem halben, einem ganzen oder gar nach 2 Jahren wieder arbeiten gehen wollt. Den Antrag kann man auch jederzeit im Voraus umändern. Die Elterngeldstellen nehmen nicht nur die Anträge entgegen, sondern beraten auch ausführlich bei der Antragstellung. Leider ist es in Deutschland nicht einheitlich geregelt, wo diese Elterngeldstellen zu finden sind. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise sind sie an die Jugend-, Familien- oder Sozialämter der Kommunen angeschlossen. In Baden-Württemberg ist die Landeskreditbank zuständig. Andere Bundesländer haben wiederum andere Regelungen getroffen.

Kann der Arbeitgeber der Elternzeit widersprechen?

Natürlich muss auch der Arbeitgeber frühzeitig (7 Wochen vor Beginn) von den Plänen informiert werden, wenn seine Angestellten und Mitarbeiter Elternzeit nehmen wollen. Allerdings kann der Arbeitgeber nicht widersprechen. Er muss Vater und Mutter auf ihren Wunsch die Elternzeit zu den gewünschten Terminen gewähren. So kann auch der Arbeitgeber einer schönen Eltern- und Familienzeit nicht im Wege stehen.

 

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