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Kinder-Reha ist nun eine Pflichtleistung

Noch immer stellen zu wenige Eltern einen Reha-Antrag für ihre Kinder. Dabei haben diese, sofern gesundheitlich begründet, jetzt einen rechtlichen Anspruch darauf.

Im „Gesetz zur Flexibilisierung des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand und zur Stärkung von Prävention und Rehabilitation im Erwerbsleben“ – kurz: Flexirentengesetz – ist der Anspruch der Kleinsten verankert. Das bedeutet: Kindern, denen eine Kinderrehabilitation gesundheitlich helfen kann, sowie allen chronisch kranken Kindern steht diese Maßnahme rechtlich zu – und das alle zwei Jahre und nicht wie bisher im vierjährigen Turnus.

Die häufigsten Indikationen für eine Kinder-Reha sind Erkrankungen der Atemwege und der haut sowie Adipositas und psychische Krankheiten wie beispielsweise Ad(h)s. hier sind regelmäßige Reha-Aufenthalte, deren ziel die spätere Erwerbsfähigkeit oder auch schul- und Ausbildungsfähigkeit der betroffenen ist, entscheidend für eine langfristige Besserung der Beschwerden. Kurios: Während immer mehr Kinder an chronischen Krankheiten leiden, geht die zahl der Kinder-Reha-Anträge kontinuierlich zurück. Dabei übernimmt die deutsche Rentenversicherung (DRV) in 75 Prozent aller beantragten Maßnahmen die Kosten. Bis zum 31. Juli dieses Jahres wird sie eine detaillierte Richtlinie zur Kinder- und Jugendrehabilitation vorlegen, die sich an den Ansprüchen im Flexirentengesetz orientiert.

Bis wann greift die Kinder-Reha?

Die Altersspanne bei einer Kinder- und Jugend-Reha reicht vom Säugling und Kleinkind übers Schulkind bis hin zum heranwachsenden. Das Höchstalter beträgt 18 Jahre und verlängert sich in einigen Fällen bis zum 27. Geburtstag, etwa bei jungen erwachsenen während der Ausbildungszeit, die noch nicht selbst rentenversichert sind, ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr beziehungsweise den Bundesfreiwilligendienst leisten oder die sich wegen einer Behinderung nicht selbst unterhalten können.

Der Weg zur Kinder-Reha

Dem Antrag ist ein Bericht des Arztes mit den medizinischen befunden beizulegen, danach entscheidet die Antragsstelle je nach Art und Schweregrad der gesundheitlichen Einschränkungen, ob das Kind ambulant oder stationär behandelt wird. Für Kinder mit Atemwegserkrankungen dauern stationäre Heilverfahren circa drei Wochen, für Adipositas-Patienten bis zu sechs Wochen. Bis zum zehnten Geburtstag der jungen Reha-Patienten übernimmt der Kostenträger meist auch die Reisekosten für Begleitpersonen. Falls der Kostenträger einen Antrag auf Kinderrehabilitation ablehnt, sollte man nicht gleich aufgeben: Vielmehr sollten die Eltern gemeinsam mit dem Arzt innerhalb der Vierwochenfrist einen Widerspruch formulieren.

Künftig auch ambulant

Mit dem Flexirentengesetz erhielt die Kinder- und Jugend-Reha politischen Rückenwind und neue Möglichkeiten, chronisch kranken Kindern und Jugendlichen zu helfen. Wissenschaftler, unter anderem des Robert Koch-Instituts, gehen von 16 Prozent chronisch kranken Kindern und Jugendlichen in Deutschland aus – das sind über zwei Millionen heranwachsende. Doch nur 2,5 Prozent von ihnen (50.000) gehen pro Jahr in eine der rund 50 Rehabilitationskliniken. Künftig gibt es Rehabilitationsmaßnahmen auch ambulant, also vor Ort in der häuslichen Umgebung. Nachsorge und eine stärkere Einbindung der Familien ergänzen das Verfahren. Um diese Möglichkeiten für junge Menschen in der Öffentlichkeit bekannter zu machen, haben die bundesdeutschen Rehakliniken für Kinder und Jugendliche in Frankfurt den Verein „Bündnis Kinder- und Jugend-Reha e.V.” gegründet. Dieser arbeitet eng mit der Fachgesellschaft und den Verbänden der Kinder- und Jugend-Reha zusammen.

Wann zur Kinder-Reha? Bei folgenden Erkrankungen beziehungsweise psychischen Auffälligkeiten kann beispielsweise eine Rehabilitation beantragt werden:

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