Allgemeines Gesundheit

Der erste Impfstoff gegen Covid-19 ist nicht für Kinder!

Impfstoff

Warum es für Kinder noch dauern könnte und ob eine Impfung für sie überhaupt sinnvoll wäre.

Kurz nach Weihnachten soll es losgehen. Nachdem am 21. Dezember die Europäische Arzneimittelbehörde (Ema) den Impfstoff des Mainzer Pharmaunternehmens BioNTech und seines US-Partners Pfizer für Europa zugelassen hat, sollen in Deutschland schon ab dem 27. Dezember die ersten Menschen gegen Covid-19 geimpft werden. Mittlerweile ist auch klar, wer zuerst an der Reihe ist. Zunächst werden sehr alte Menschen und Menschen in Pflegeheimen sowie Gesundheitspersonal ihre erste Spritze mit der Vakzine bekommen, später dann auch andere ältere Menschen und Risikopatienten – danach erst jüngere. Nur eine Gruppe spielt zu Beginn der Impfungen keine Rolle: Kinder.

Marktzulassung der Ema

Mit der bedingten Marktzulassung der Ema können grundsätzlich alle Europäer ab einem Alter von 16 Jahren geimpft werden. Bis jüngere Jugendliche und Kinder Zugang zum BioNTech-Impfstoff oder anderen möglichen Vakzinen gegen Covid-19 bekommen, wird allerdings noch eine Weile vergehen – konkrete Impfpläne für Kinder und Jugendliche gibt es noch nicht, schreibt das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Website. Ohnehin ist es wichtiger, dass erst einmal ältere Menschen und andere Risikogruppen immunisiert werden können, da bei ihnen Covid-19 mit höherer Wahrscheinlichkeit schwer oder gar tödlich verläuft. Der Grund, dass die Impfung für Kinder noch nicht zugelassen wird, ist aber ein anderer.

Bevor ein Impfstoff in jüngeren Altersgruppen untersucht werden kann, müssen die Hersteller in groß angelegten Studien zeigen, dass ihr Kandidat bei Erwachsenen ausreichend wirksam und vor allem sicher ist. Ausgenommen sind nur Impfstoffe, die ausschließlich für das Kindesalter entwickelt werden. “Das hat damit zu tun, dass man bei der Impfstoff- und Arzneimittelentwicklung allgemein noch höhere Ansprüche an Sicherheit stellt, wenn die Wirkstoffe für Kinder gedacht sind. Schwere Nebenwirkungen sollen damit noch zuverlässiger vermieden werden”, erklärt Fred Zepp, Direktor der Klinik für Kinder und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Mainz.

Erst wenn sich keine schweren Nebenwirkungen zeigen

Erst wenn Studien an Erwachsenen belastbare gute Ergebnisse lieferten und sich keine schweren Nebenwirkungen zeigten, würde man das Alter der Studienteilnehmer Schritt für Schritt vom älteren Jugendlichen bis zum Säuglingsalter herabsetzen, sagt Zepp. “Tatsächlich müssen Impfstoffhersteller im Zuge der Zulassung in Europa schon früh einen Plan vorlegen, wie und in welchem Zeitrahmen sie eine weitere Entwicklung ihres Impfstoffs für Kinder und Jugendliche beabsichtigen.” Auf diesem Weg sind Pharmaunternehmen aktuell unterschiedlich weit.

Neben der Sicherheit untersuchen Studien mit Kindern vor allem, wie der junge Organismus auf eine Impfung reagiert. “Die Immunantwort auf einen Impfstoff kann bei Kindern schwächer, aber auch stärker als bei Erwachsenen ausfallen”, sagt der Kinderarzt Fred Zepp. Das kindliche Immunsystem sei in den ersten Lebensjahren noch in einer Lernphase.

Das junge Immunsystem von Kindern hat daneben noch eine ganz andere Besonderheit: Die Impfdosis von Erwachsenen hat bei Kindern unter zwölf Jahren oft nicht dieselbe Wirkung und muss deshalb an das Alter angepasst werden. Ob mehr oder weniger benötigt wird, hängt vom jeweils verabreichten Impfstoff ab und muss in Studien ermittelt werden. 

Wird die Impfung für Kinder überhaupt empfohlen?

Wann eine der Studien letztendlich zur Zulassung eines Impfstoffs für Kinder oder Jugendliche führt, ist schwer vorherzusehen. “Ich kann mir nicht vorstellen, dass das passiert, bevor man nicht mindestens sechs Monate Impfstofferfahrung hatte”, sagt der Kindermediziner Martin Terhardt. “Wenn man jetzige Studiendaten miteinbezieht, dann kann das vielleicht ab frühestens Mai oder Juni so weit sein.” Terhardt ist seit 2011 Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) am RKI. Die Experten analysieren Studiendaten vorhandener Impfstoffe und geben deutschlandweit gültige Impfempfehlungen heraus. Wird ein Impfstoff für Kinder zugelassen, ist es die Stiko, die entscheidet, ob sie auch empfiehlt, dass Kinder geimpft werden.

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