Allgemein

Warum der Vater so wichtig ist

Warum der Vater so wichtig ist

„Väter sind anders“ bringt der nach seiner Rolle befragte Vater  aus Hamburg seine Situation auf den Punkt. Sie haben andere Interesse und Sichtweisen auf die Welt als die Mütter. Ganz banal bieten sie Schutz und Sicherheit und können die gestresste Mutter entlasten. Das Kind profitiert also von der anderen Sichtweise des Vaters, und die Mutter kann sich erholen, wenn sie sich zurücknimmt und das Kind dem Vater überlässt. Heute ist längst nachgewiesen, dass Kinder, deren Väter sich bei der Erziehung besonders engagiert haben, einfühlsamer, selbstbewusster und sogar intelligenter sind, als Kinder, deren Väter weniger präsent waren.

Eine besondere Rolle kann der Vater im Falle einer Scheidung wahrnehmen. Selbst wenn die Kinder bei der Mutter leben und nur gelegentlichen (oder bisweilen gar keinen) Kontakt zum Vater haben, ist er für sie zumindest in der Vorstellung dennoch präsent. Es gibt immer wieder Kinder, die während der Pubertät den Kontakt zum bis dato selten gesehenen Vater suchen und Hilfe für ihre Probleme erwarten. Der getrennt lebende Vater Steffen aus der Nähe von Kiel berichtet, wie er mit seiner drogenabhängigen Tochter den Film „Christiane F. – wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ angesehen hat. Danach ist sie aus der Drogenszene ausgestiegen. „Es ist sicher nicht alleine und nicht einmal in erster Linie mein Verdienst, dass sie das geschafft hat. Es war ihre Stärke. Ich konnte ihr helfen und hätte vielleicht vieles verhindern können, wenn ich mehr Kontakt zu ihr gehabt hätte“, sagt der Vater aus Hamburg.

Die Familienkonstellation Vater-Mutter-Kind hat eine maßgebliche Bedeutung für das Kind. „Als so genannter Dritter verhindert der Vater eine allzu enge Bindung zwischen Mutter und Kind und vermindert die Trennungsängste, wenn das Kind die notwendige Ablösung von der Mutter vollzieht“, sagt der Psychoanalytiker Horst Petri. Fachleute sprechen auch von der Triangulierungsphase (Dreiecksphase) vom ersten bis zum dritten Lebensjahr, in der sich das Kind aus der frühen Symbiose mit der Mutter löst. Später führt der Vater das Kind an die Außenwelt heran, während er mit dem Erwachsenwerden des Kindes die Weichen für den Eintritt in die Gesellschaft stellt. Der Vater konfrontiert das Kind aktiv mit der Umwelt, ermutigt und fördert es auf eine energischere Weise als die Mutter. Dabei geht es nicht um ein besser oder schlechter der väterlichen gegenüber der mütterliche Methode, sondern um sich idealerweise ergänzende Erziehungsstile.

Wie wichtig Väter sind, zeigt sich auch bei ihrer Abwesenheit: Aus Amerika sind Zahlen bekannt, wonach laut Horst Petri 63 Prozent der jugendlichen Selbstmörder, 71 Prozent der schwangeren Teenager, 90 Prozent der Ausreißer, 85 Prozent der Jungkriminellen und 75 Prozent der Drogenabhängigen aus vaterlosen Familien kommen. Trennungskinder ohne Vaterkontakt haben häufiger Beziehungsprobleme und neigen zu frühen Ehen, die oft geschieden werden. Besonders schlimm ist es, wenn die Mutter die Scheidung selbst nicht verarbeitet hat und den Vater verteufelt. Dann eignet er sich kaum mehr als positive Identifikationsfigur. Petri fordert als Konsequenz eine „Geschlechterdemokratie“, in der beide Partner gleichberechtigt anerkannt sind und ihre jeweilige Rolle ausüben.

No Comments Found

Leave a Reply

%d Bloggern gefällt das:
Zur Werkzeugleiste springen